• von 11:30 bis 15:00 Uhr
  • Einladung zum Mittagsgespräch „Wie können wir gemeinwohlorientiert wirtschaften?“

    Donnerstag, 15. Februar 2018, 11:00 bis 15:00 Uhr
    NABU Bundesgeschäftsstelle, Charitéstraße 3, 10117 Berlin

    *Hintergrund *

    Wertschöpfung und Wohlbefinden darf nicht zu Lasten der sozialen Gerechtigkeit und der Umwelt gehen. Deshalb kann nachhaltige, gesellschaftliche Transformation nicht ohne eine Veränderung bestehender Wirtschaftsweisen gedacht werden. Diese Veränderung erfordert ein erweitertes Wohlstandsverständnis sowie neue, an vielfältigeren Funktionen als nur Wachstum orientierten, Modelle des Wirtschaftens. Relevante theoretische Ansätze und erprobte alternative Wirtschaftsweisen wollen wir mit Ihnen im Rahmen des Mittagsgespräches diskutieren. Diese werden im Rahmen der Fördermaßnahme „Nachhaltiges Wirtschaften“ (NaWi) des BMBF wissenschaftlich begleitet.

    NaWi zeichnet sich als Bestandteil des Förderschwerpunktes „Sozial-ökologische Forschung“ dadurch aus, dass nicht nur technische Innovationen, sondern auch neue Geschäftsmodelle und neue gesellschaftliche Handlungsformen wie ein verändertes Konsumverhalten explizit adressiert, entwickelt und in der Praxis erprobt werden. Im Rahmen des Projektes „Wissenschaftliche Koordination der Fördermaßnahme Nachhaltiges Wirtschaften“ unterstützt die Plattform Forschungswende den Transfer dieser Forschungsansätze.

    Mittagsgespräche

    In drei Mittagsgesprächen zu unterschiedlichen Themenfeldern nachhaltigen Wirtschaftens (Verkehr und Mobilität, Konsum und Ernährung, Gemeinwohlökonomie) werden Befunde zu Transformationspfaden und Hemmnissen aus NaWi-Projekten vorgestellt und mit Praxispartnern reflektiert. Die Zielgruppe sind Politik, Unternehmen, Verbände, ZGOs und Wissenschaft.

    Anmeldung

    Wir freuen uns auf Sie. Melden Sie sich bitte bis zum 15. Januar 2018 unter hello@forschungswende.de an.

    Agenda

    Ab 11:00 Uhr Ankunft und Imbiss

    12:00 Uhr Begrüßung
    • Dr. Steffi Ober, Zivilgesellschaftliche Plattform Forschungswende
    • Dr. Martin Hirschnitz-Garbers, Ecologic Institut, wissenschaftliche Koordination NaWi (NaWiKo)

    *12:15 Uhr Vorstellung der NaWi-Projekte mit Gemeinwohlfokus und Diskussion *

    • Gemeinwohl-Ökonomie im Vergleich unternehmerischer Nachhaltigkeitsstrategien (GIVUN)
    Dr. Klara Helene Stumpf, Europa-Universität Flensburg / Norbert Elias Center for Transformation Design & Research

    • Märkisches Landbrot GmbH, Praxispartner GIVUN
    Nils Wittke, nw consulting

    • Commons-based Peer Production in offenen Werkstätten (COWERK)
    Dipl.-Ing. Michael Steinfeldt, Universität Bremen, Fachgebiet Resiliente Energiesysteme

    • Greenpeace e. V.
    Unnolf Harder, Greenpeace e.V.

    *13:30 Uhr Fishbowl-Diskussion *
    • Was gibt es an weiteren Ideen und Projekte im Bereich Gemeinwohlökonomie?
    • Was ist an den Forschungsergebnissen interessant für die eigene Arbeit?
    • Was wird gebraucht, um den Transfer zwischen Wissenschaft und Praxis besser zu gestalten?
    • Wie können Umweltverbände zur Verbreitung der Gemeinwohlidee beitragen?

    **14:30 Uhr Vorstellung der Ergebnisse & Abschlussdiskussion

    15:00 Uhr Ende der Veranstaltung

    Kurzbeschreibung der Forschungsprojekte

    GIVUN
    "Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl." – so steht es in der Bayerischen Verfassung. Die Realität zeigt vielerorts ein anderes Bild: Profitstreben und Verpflichtungen gegenüber den Anteilseignern dominieren unternehmerisches Handeln; Mitarbeitende, Zulieferbetriebe, Klima und Umwelt stehen häufig hintenan. Einer aktueller Ansatz, der radikal versucht, das wirtschaftlichen Handeln stärker mit den demokratischen Grundwerten sowie den sozialen und ökologischen Zielsetzungen der westlichen Gegenwartsgesellschaften in Einklang zu bringen, ist das Konzept der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ). Ihr Kerngedanke ist, dass der monetäre Gewinn nicht länger der Zweck des unternehmerischen Handelns sein soll, sondern lediglich ein Mittel, um den eigentlichen Zweck zu erreichen: einen größtmöglichen Beitrag zum Gemeinwohl zu leisten.

    Ziel des Forschungsvorhabens "Gemeinwohl-Ökonomie im Vergleich unternehmerischer Nachhaltigkeitsstrategien" (GIVUN) ist die historische und wirtschaftsethische Kontextualisierung sowie die empirische Erforschung gemeinwohlorientierten Wirtschaftens. Dazu erfolgt eine Evaluation des Konzeptes der GWÖ und anderer einschlägiger CSR-Instrumente in Hinblick auf ihr transformatives Potenzial für die Ausrichtung der Unternehmenspraxis an den Zielen der Nachhaltigkeit. Im Zentrum des Forschungsvorhabens steht die Untersuchung der Wirkungen einer betrieblichen Gemeinwohlorientierung auf die konkreten Arbeits- und Produktionsbedingungen (insbesondere in Hinblick auf ökologische Effekte) sowie die Exploration der Skalierungs- und Diffusionsbedingungen der GWÖ für große Unternehmen.

    Das Projekt wird von Prof. Dr. Harald Welzer und Dr. Bernd Sommer in Kooperation mit Prof. Dr. Ludger Heidbrink, Lehrstuhl für Praktische Philosophie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, geleitet. Während in Kiel ein systematischer Vergleich der GWÖ mit historischen und gegenwärtigen Gemeinwohl- und Nachhaltigkeitsstrategien erarbeitet wird, verantwortet das NEC den empirischen Teil der Forschung: Praxispartner wie der Outdoor-Ausstatter Vaude, die Druckerei Oktoberdruck, die demeter-Brotbäckerei Märkisches Landbrot und der Anbieter für Öko-Tiefkühlkost Ökofrost werden dafür in qualitativen Interviews zu ihren Gemeinwohl-Anstrengungen befragt. Gemeinsam mit Großunternehmen wie Deutsche Post, dm-drogerie markt und OTTO Group erarbeitet das Forschungsteam mithilfe eines Backcasting-Verfahrens mögliche und machbare Wege in Richtung einer verstärkten Gemeinwohlorientierung.

    https://www.uni-flensburg.de/nec/forschung/givun/

    Märkisches Landbrot GmbH

    Unternehmen die ihre Gemeinwohl-Bilanz erstellen zeigen, dass sie einen Sinn darin sehen, sich für gemeinsame Werte und Ziele einzusetzen um einen gesellschaftlichen Wandel zu bewirken. Die Bewertungsmatrix ist ein hervorragendes Instrument, um sich als Unternehmen auf Herz und Nieren überprüfen zu lassen und zu erkennen, wie nahe man seinen Idealzielen ist. Ferner bilden die Pionier-Unternehmen eine Kooperation, die Erfahrungen austauscht, voneinander lernt und sich Hilfestellung gibt. Der Trend geht eindeutig dahin, dass Kunden immer mehr Ware von Firmen bevorzugen, die transparent wirtschaften und Wert auf soziale Gerechtigkeit legen.
    Anfang 2012 erstellte MÄRKISCHES LANDBROT eine Gemeinwohl-Bilanz für das Bilanzjahr 2011. Nach der Auditierung veröffentlichten wir als erstes Berliner Unternehmen im November 2012 das Ergebnis unserer Gemeinwohl-Bilanz. Die Leistungen eines Unternehmens für das Gemeinwohl werden anhand einer 1.000 Punkte-Skala bestimmt, bewertet und branchenübergreifend vergleichbar gemacht. Bilanziert wird, inwieweit sich die Werte innerhalb jeder einzelnen Berührungsgruppe (Stakeholder) des Unternehmens wiederfindet. Mit Berührungsgruppen sind Geldgeber, Mitarbeiter, Kunden, Produkte, genutzte Dienstleistungen, Mitunternehmen, das gesellschaftliche Umfeld, zukünftige Generationen, Mitmenschen und die Natur weltweit gemeint. MÄRKISCHES LANDBROT erzielte 652 von 1.000 Punkten – ein sehr guter Wert, der sich noch verbessern lässt.
    2015 haben wir uns zum zweiten Mal einem externen Audit unterstellt und konnten uns im Ergebnis zu 2011 verbessern. Mit 689 von 1.000 möglichen Punkten liegt MÄRKISCHES LANDBROT aktuell unter den Top 5 der extern auditierten Gemeinwohl-Unternehmen.
    Anfang 2017 erstellten wir unsere dritte Gemeinwohl-Bilanz für den Zeitraum 2014 bis 2016. Das Ergebnis der Auditierung ergab 773 Punkte von 1.000 zu erreichenden Punkten, was eine erneute deutliche Verbesserung gegenüber dem Ergebnis von 2015 ist.

    http://www.landbrot.de/oekonomie/gemeinwohl-oek...

    COWERK

    Der Forschungsverbund COWERK (Commons-based Peer Production in offenen Werkstätten) untersucht am Beispiel offener Werkstätten, wie sich in der Produktion kollaborative Wirtschaftsformen herausbilden. Das Vorhaben versteht offene Werkstätten als „Reallabore“ für gemeinschaftliche Arbeit, in denen einerseits Personen der Zugang zu Fertigungstechnologien ermöglicht wird und andererseits Erfahrungen und Know-how ausgetauscht werden. Die Bandbreite reicht vom traditionellen Handwerk („Low Tech“) bis zum Gebrauch von 3D-Druckern („High-Tech“).

    Kollaborative Produktion in offenen Werkstätten eröffnet vielfältige Potenziale für eine Green Economy: So bergen dezentrale Fertigungsmethoden wie der 3D-Druck die Chance, lange Transportwege zu ersparen und einer Minderung und Entfrachtung der Stoffströme den Weg zu bereiten. Von ebenso großer Relevanz ist, dass in offenen Werkstätten neuartige Konzepte konkret realisiert werden: Dazu gehören beispielsweise Suffizienz (Genügsamkeit) oder Upcycling (Umwandlung von Abfall in neue Produkte), aber auch die Reparatur von Gegenständen z.B. in sogenannten Repair Cafés.

    Die Nutzerinnen und Nutzer von offenen Werkstätten verbreiten diese Ansätze über digitale Netzwerke und dienen so als Multiplikatoren. Zugleich bergen kollaborative Produktionsformen das Versprechen in sich, soziale Nachhaltigkeit durch lokale Vernetzung und Inklusion zu befördern. Das Projekt geht demnach von der Annahme aus, dass offene Werkstätten Ausdruck und Ergebnis sich verändernder Produktions- und Innovationsbedingungen sind und zugleich das Potenzial haben, nachhaltigere Formen des Wirtschaftens hervorzubringen. Damit verortet sich das Projekt im Kontext laufender gesellschaftlicher Diskurse zu neuen Formen des Selbermachens (Maker Movement/ DIY), Re-Industrialisierung, Open Innovation sowie Commons-based Peer Production.

    Die zentrale Forschungsfrage von COWERK lautet daher: Wie können die neuen Wertschöpfungsmuster ökologisch, sozial und wirtschaftlich nachhaltig gestaltet, in der gesellschaftliche Breite verankert und mit bestehenden ökonomischen Strukturen im Kontext offener Innovationsprozesse verknüpft werden?

    http://www.cowerk.org/

    *Greenpeace e.V. *

    Seit Greenpeace vor mehr als 40 Jahren gegründet wurde, hat der Umweltschutz bedeutende Fortschritte gemacht. Trotz der Fortschritte und vieler Teilerfolge und Lösungen, hat sich die Situation auf der Erde verschärft. Ganze Ökosysteme werden zerstört, Arten sterben rasant aus, Emissionen steigen – der Klimawandel ist heute die größte globale Bedrohung aller Zeiten. Einer der Gründe dafür ist der stetig wachsende Ressourcenverbrauch – und dieser wiederum die Folge einer allein auf Wachstum und Massenkonsum ausgerichteten Wirtschaftsweise und Kultur. Das „Immer mehr“ ist Leitbild einer zu- dem steigenden Weltbevölkerung. Die notwendige absolute Entkopplung von Ressourcenverbrauch und Wirtschaftswachstum fand bisher nicht statt.

    Greenpeace bewertet dies als fundamentale Fehlsteuerung des aktuellen Wirtschaftssystems: Die Messung des wirtschaftlichen Erfolges allein in finanziellen Maßstäben. Finanzieller Erfolg, die Gewinnmaximierung auf allen Ebenen, sollte aber nicht das Ziel des Wirtschaftens sein. In den Mittelpunkt der wirtschaftlichen Aktivitäten gehört die Mehrung des Gemeinwohls, des guten Lebens Aller.

    Inspiriert vom Gemeinwohl-Gedanken hat sich Greenpeace entschlossen, die Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) zu unterstützen und sich selbst als erste große Nichtregierungsorganisation in Deutschland messen und bewerten zu lassen: Die Gemeinwohl-Bilanz ist ein Instrument, mit dem der Beitrag zum Gemeinwohl auf einem wertebasierten System ermittelt wird – und ist somit ein bewusstes Gegenmodel zur generell gültigen Finanz-Bilanzierung. Mit der Orientierung an den Werten Solidarität, Menschenwürde, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit, Transparenz und Mitsprache hat die Gemeinwohl-Ökonomie ein zukunftsfähiges Modell entworfen. Greenpeace unter stützt das Modell und möchte Vorreiter sein und seinen Beitrag leisten, das Gemeinwohl ins Zentrum des gesellschaftlichen Schaffens zu rücken. Dies – und hier schließt sich der Kreis – ist ein wichtiger Schritt zum Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen.

    https://www.greenpeace.de/presse/presseerklaeru...

    Förderhinweis: Diese Veranstaltung wird gefördert vom Bundesministerium für Forschung und Bildung.

  • Jahn Harrison

    Wir freuen uns auf Euch und Eure Kolleg*innen. Teilt diese Veranstaltung gerne breit in den Netzwerken!