Im Bereich der digitalen Wirtschaft sowie der Software-Entwicklung dominieren profitorientierte Unternehmen, die nicht selten einen sehr großen Marktanteil besitzen. So schreiben die meisten Menschen Texte mit demselben Textverarbeitungsprogramm und posten ihre Bilder im selben sozialen Netzwerk. Sehr wenige, sehr große Unternehmen können somit sehr viele Daten über uns sammeln und gleichzeitig die Richtung angeben, in die sich unsere digitale Welt entwickelt. Denn wenn die kritische Masse einmal erreicht ist, haben die Unternehmen ihre Nutzer:innen in der Hand. So geschehen bei Facebook: Nach der Übernahme von WhatsApp versprach das Unternehmen hoch und heilig die Daten der beiden Netzwerke nicht zusammen zu führen. Wer die neuesten AGBs akzeptiert hat sieht, dass dieses Versprechen nichts wert war. Doch wer kann schon ein soziales Netzwerk verlassen, wenn sich zahlreiche Kontakte auf dieser Plattform befinden? So werden letztlich Bedingungen akzeptiert, die uns eigentlich zuwider sind.

Das Internet denen, die es nutzen!

Was hat dieses Beispiel mit Genossenschaften zu tun? Viel! Denn wenn die Digitalisierung nicht mehr in den Händen einiger weniger Unternehmen liegt, sondern in den Händen der Nutzer:innen, dann können diese entscheiden wohin der Weg führt und ob sie ihre Daten verkaufen (oder verschenken) möchten oder nicht. In Deutschland haben sich einige Genossenschaften auf den Weg gemacht Alternativen zu den Big Playern zu schaffen und die Kontrolle über Daten, Weiterentwicklung und Finanzierung an die Nutzer:innen zurückzugeben. Wir zeigen euch, wie Genossenschaften versuchen einen anderen Weg der Digitalisierung zu gehen.

WEM GEHÖREN MEINE DATEN?

Fangen wir mit den Daten an. Das übliche Geschäftsmodell der digitalen Konzerne lautet im besten Falle: Infrastruktur oder Service gegen Daten. Im schlechtesten Falle zahlt ihr für die Infrastruktur, packt eure Daten gratis obendrauf und bekommt dann noch personalisierte Werbung. Die Genossenschaft polypoly möchte das ändern und mit dem polyPod die Datenhoheit zurück an die Nutzer:innen geben. Als Nutzer:in kann ich meine gespeicherten Daten von den Unternehmen anfordern, auf einem eigenen Server abspeichern und dort bestimmen was damit geschieht: Wer darf was über mich erfahren? Und welchen Preis sollen diese Unternehmen für meine Daten zahlen? Die Genossenschaft möchte den Spieß umdrehen und eines der wertvollsten Güter des 21. Jahrhunderts sichtbarer und kontrollierbarer machen.

ÜBER WELCHE SERVER LAUFEN MEINE DATEN?

Neben den persönlichen Daten tauschen wir auch unzählige Daten in anderer Form aus: Textdateien, Fotos, Websites, Videokonferenzen und vieles mehr. Für diesen Austausch in Form von Downloads, Uploads, Streams und Co. benötigen wir Serverkapazitäten. Nicht selten stehen die Server, über die unsere Daten laufen, im Ausland und unterliegen den dort gültigen Datenschutzbestimmungen. Die Hostsharing eG ist ein genossenschaftlicher Webspace-Anbieter, der seine Serverkapazitäten in Deutschland angesiedelt hat und sich für Datenschutz und technische Unabhängigkeit einsetzt. Hostsharing bietet eine datenschutzkonforme digitale Hardware-Infrastruktur, die von den Mitgliedern mitgestaltet werden kann und nicht der Profitmaximierung auf Kosten eurer Privatsphäre dient.

WELCHEN ONLINE-TOOLS KANN ICH VERTRAUEN?

Auch für die Online-Zusammenarbeit stehen uns zahlreiche kostenlose Tools zur Verfügung. Dokumente teilen, Termine abstimmen, Dokumente online zeitgleich bearbeiten- alles geht mit Angabe der Mailadresse. Doch bei wem landet diese und wie weit werden meine Vorgänge zu welchen Zwecken analysiert? Die wechange Genossenschaft hat sich zum Ziel gesetzt die Online-Zusammenarbeit transparent, datenschutzkonform und für alle zugänglich zu gestalten – ohne Werbung und jenseits der üblichen datengetriebenen Geschäftsmodelle. Mit Open-Source-Software, Servern in Deutschland und ohne Datenweitergabe bietet WECHANGE euch die Möglichkeit digital zusammen zu arbeiten und euch untereinander auszutauschen und zu vernetzen. Zusammen mit allen Nutzer:innen und Mitgliedern entwickeln wir das digitale WECHANGE-Ökosystem stets weiter – und da wir als Team selbst WECHANGE zur Organisation unserer Arbeit benutzen, merken wir häufig direkt, wenn etwas schief läuft.

WECHANGE beietet Tools für die digitale Zusammenarbeit

Und die Moral von der Geschicht‘?

Wir müssen die Digitalisierung nicht den internationalen Tech-Konzernen überlassen. Als Genossenschaft tauschen wir uns außerdem regelmäßig mit der Hostsharing eG, polypoly coop und vielen weiteren Genossenschaften und Zusammenschlüssen aus, die unser Selbstverständnis teilen: die Digitalisierung zu Gunsten der Nutzer:innen voranzutreiben und nicht zur rücksichtslosen Maximierung von Profitinteressen. Hier haben wir einige Links rund um nutzer:innenzentrierte Digitalisierung und Genossenschaften zusammengestellt: –

– Forderung zur Nutzung von freier Software für staatliche Institutionen
– Programm zur Förderung/Unterstützung von Genossenschaftsgründungen
– Forderungen und Vorschläge zur digitalen Gründung und Verwaltung von Genossenschaften
– Blogartikel von PolyPoly über die Digitalisierung von genossenschaftlichen Prozessen
– Blogartikel von hostsharing für alle, die tiefer in das Thema freie Software einsteigen wollen

Bildnachweise:
Titelbild: Kateryna Lashchykova
Grafik Hostsharing: Hostsharing eG
Bild WECHANGE: pexels/fauxels (bearbeitet)